Der versteckte Preis der KI: Tech-Branche investiert Milliarden in eigene Gasturbinen
Der Boom der Künstlichen Intelligenz sorgt weltweit für einen beispiellosen Ausbau von Rechenzentren. Doch der steigende Energiebedarf bringt die öffentlichen Stromnetze zunehmend an ihre Grenzen. Um den Betrieb ihrer KI-Infrastruktur langfristig abzusichern, setzen immer mehr Technologieunternehmen auf eine kostspielige Alternative: eigene Gasturbinen zur Stromerzeugung.

Da der Ausbau der Stromnetze vielerorts nicht mit der Nachfrage Schritt hält, investieren Betreiber von Rechenzentren verstärkt in industrielle Gasturbinen. Diese gelten derzeit als eine der zuverlässigsten Lösungen, um große Mengen Strom dauerhaft und unabhängig bereitzustellen.
Die Dimensionen dieser Anlagen sind enorm. Eine einzelne Gasturbine ist rund 9,5 Meter hoch, wiegt etwa 280 Tonnen und kann theoretisch bis zu 500.000 Haushalte mit Strom versorgen. Entsprechend groß ist die Nachfrage: Die Auftragsbücher der Hersteller sind bereits bis 2029 gefüllt, wobei rund 20 Prozent der Bestellungen direkt von Betreibern von Rechenzentren stammen.
Die hohe Nachfrage treibt auch die Preise in die Höhe. Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist der Preis einer Gasturbine um rund 300 Prozent auf etwa 250 Millionen US-Dollar gestiegen. Davon profitiert die klassische Schwerindustrie, die durch den KI-Boom einen erheblichen Auftragszuwachs verzeichnet.
Mehrere bekannte Technologieunternehmen investieren bereits Milliarden in ihre eigene Energieversorgung. Microsoft plant beispielsweise ein Rechenzentrum in Texas, das mit sieben Gasturbinen und einer Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt betrieben werden soll. Auch xAI setzt in seinem Rechenzentrum in Tennessee auf eigene Gasturbinen, während das OpenAI-Projekt Stargate in Texas eine Leistung von rund einem Gigawatt benötigt. Für viele Unternehmen ist die autarke Stromversorgung derzeit die einzige Möglichkeit, Verzögerungen beim Ausbau der öffentlichen Netze zu umgehen.
Damit Rechenzentren auch bei einem Stromausfall unterbrechungsfrei weiterlaufen können, werden die Gasturbinen mit großen Batteriespeichern kombiniert. Diese überbrücken die Zeit, bis die Turbinen ihre volle Leistung erreichen, und sichern so den Betrieb der empfindlichen Server.
Durch diese Kombination entstehen eigenständige Energieanlagen direkt neben den Rechenzentren. Sie ermöglichen einen vom öffentlichen Stromnetz unabhängigen Betrieb, bringen jedoch hohe Investitionskosten und erhebliche logistische Anforderungen mit sich.