Humanoide Roboter lernen in indischen Fabriken – oft ohne Wissen der Arbeiter

Damit humanoide Roboter künftig selbstständig arbeiten können, benötigen sie Trainingsdaten aus der realen Welt. Während KI-Sprachmodelle aus Texten lernen, müssen Roboter menschliche Bewegungen anhand echter Arbeitsabläufe verstehen. Genau diese Daten stammen zunehmend aus Fabriken in Indien.

Nach Recherchen des Guardian werden Beschäftigte dort teilweise mit kleinen Kameras ausgestattet, die sie während ihrer Schicht an der Stirn tragen. Die Kameras zeichnen die Arbeit aus der Ich-Perspektive auf – sogenannte egozentrische Daten. Diese Aufnahmen helfen KI-Systemen dabei, menschliche Bewegungen zu analysieren und später nachzuahmen.

Zu den Unternehmen, die solche Daten sammeln oder verarbeiten, gehören unter anderem Egolab, Humyn AI, FPV Labs, Objectways und Scale AI. Ziel ist es, Trainingsmaterial für humanoide Roboter bereitzustellen. Der Markt wächst rasant, da viele Technologieunternehmen große Erwartungen an den Einsatz solcher Roboter in Industrie und Alltag haben.

Kritisch wird jedoch vor allem der Umgang mit den Beschäftigten gesehen. Zwar erhalten die Fabriken Geld für die Datenerfassung, die Arbeiter selbst werden dafür häufig nicht zusätzlich vergütet. Hinzu kommt, dass die Zustimmung zur Aufzeichnung oftmals nur über das Fabrikmanagement eingeholt wird. Experten bezweifeln, dass dies als freiwillige und informierte Einwilligung der Beschäftigten gelten kann.

Zusätzliche Recherchen legen außerdem nahe, dass die aufgezeichneten Daten nicht ausschließlich für das Training von Robotern genutzt werden. Teilweise sollen daraus auch Produktivitätsanalysen erstellt werden, bei denen Arbeitsabläufe, Leerlaufzeiten und Interaktionen der Mitarbeiter ausgewertet werden.

Der Fall zeigt, dass der rasante Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz nicht nur technische Fragen aufwirft, sondern auch grundlegende Diskussionen über Datenschutz, Transparenz und faire Arbeitsbedingungen notwendig macht.

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