Midjourney: KI‑Startup will wissen, wie viel Disney & Co. selbst kopiere

Der Rechtsstreit zwischen Midjourney und den großen Hollywood‑Studios eskaliert. Während Disney, Universal und später auch Warner Bros. dem KI‑Dienst vorwerfen, massenhaft geschützte Figuren wie Minions oder Simba zu kopieren, versucht Midjourney nun, die Konzerne zur Offenlegung ihrer eigenen KI‑Praktiken zu zwingen – ein Schritt, der eher nach Ablenkungsmanöver als nach echter Verteidigungsstrategie aussieht.
Was passiert gerade?
Disney und Universal haben Midjourney wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt. Der Vorwurf: Der Bildgenerator erzeugt Inhalte, die klar auf geschützten Charakteren basieren. Midjourney habe trotz Aufforderung nichts geändert – also ging man vor Gericht.
Midjourney verteidigt sich mit dem altbekannten Fair‑Use‑Argument: Training mit geschützten Werken sei zulässig. Juristische Stimmen sehen das jedoch kritisch. Urheberrechtsforscher Andres Guadamuz formulierte es drastisch: „Es ist Disney, also ist Midjourney gef*.“
Midjourneys neue Strategie: Angriff statt Verteidigung
Der aktuelle Streit dreht sich um die Frage, welche Dokumente die Studios im Beweisverfahren vorlegen müssen. Ein Richter erlaubte bisher nur Einblicke in KI‑Nutzung, die zu „verbraucherorientierten“ Inhalten führte.
Midjourney will diese Grenze aufheben. Das Startup behauptet, die Studios könnten sich so nur die für sie vorteilhaften Dokumente aussuchen – während Midjourney wichtige Informationen für seine Verteidigung fehlen würden.
Der Verdacht, den Midjourney streut: Wenn Disney & Co. intern KI für Storyboards oder Ideen nutzen, würden sie selbst urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Lizenz herunterladen. Midjourney fordert deshalb die Offenlegung aller Prompts und Ergebnisse, die in den Studios verwendet wurden.
Was die Studios sagen
Disney und Universal betonen laut Techcrunch, dass es ihnen nicht darum gehe, KI zu stoppen oder Midjourney zu zerstören. Sie wollen lediglich verhindern, dass ihre Filme und Figuren ungefragt kopiert und als KI‑Bilder verbreitet werden.
Midjourney spielt ein riskantes Spiel
Midjourney versucht, den Spieß umzudrehen – doch der Move wirkt eher verzweifelt als strategisch. Die großen Studios haben wenig Interesse daran, ihre internen Prozesse offenzulegen, und noch weniger daran, sich von einem KI‑Startup belehren zu lassen, wie Urheberrecht funktioniert.
Die Frage bleibt: Will Midjourney wirklich Transparenz – oder nur den Fokus vom eigenen Problem weglenken?